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© Dipl.-Päd. Pfarrer Frank Maibaum / frank-maibaum.de

Wer begleitet die Braut zum Altar?

Einzug in die Hochzeitskirche und Auszug

Hier auf der Seite:

Wer zieht mit ein und wie?

Vorurteile zum richtigen Einzug

Königlichen Hochzeitseinzüge

 

Der Einzug in die Kirche ... ein bedeutender Moment

Einzug des BrautpaaresWie das Brautpaar zum Altar kommt, ist durchaus bedeutsam; denn es ist eine symbolische Handlung. Symbole und symbolische Handlungen haben immer zwei Seiten: das Äußerliche und den tiefen Sinn.

So hat auch der Hochzeitszug den äußeren, oberflächlichen Zweck, den Altar zu erreichen. Zudem hat er als zeichenhafte Handlung den Sinn, etwas Bewegendes mitteilen.

 

Wie immer der Kircheneinzug (ebenso der Einzug ins Standesamt) gestaltet ist, die tiefe Bedeutung ist:

"Jetzt beginnt etwas besonderes! / Dies ist ein großer Moment im Leben! / Schaut auf unser Glück!"

Betont wird die Bedeutung durch die Musik: Fanfarenklänge erwecken z. B. die Aufmerksamkeit. Ein Marsch zeigt: Wir gehen nicht einfach so, denn dies ist kein alltäglicher Anlass, sondern wir schreiten, denn dies ist ein feierlicher Moment.

 

Zusätzlich wird durch die Art und Weise des Einzuges ausgedrückt:

Vater, Mutter, Bruder oder Schwester führt die Braut herein:

Wir kommen aus Familien, die uns lieben; wir sind ihnen weiterhin verbunden!

Brautpaar zieht gemeinsam in die Hochzeitskirche:

Wir haben zueinander gefunden; es ist unser großer Tag, wir gehören zusammen und freuen uns nun auf den Segen; schaut, hier sind wir!

Freund des verstorbenen Vaters führt die Braut:

An diesem Fest der Liebe denken wir auch an die Menschen, die nicht mehr bei uns sind. In irgendeiner Form wirken sie weiter!

Bräutigam schaut bzw. geht der Braut entgegen:

Als Bräutigam bewundere ich meine Braut und erwarte freudig, was wir erleben werden!

Eltern übergeben ihre Kinder am Altar:

Als Eltern hoffen wir für unsere Kinder und freuen uns mit mit ihnen.

 

 

Es gibt nicht den "richtigen" oder "falschen" Hochzeitseinzug!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie und vom wem die Braut zum Altar geführt wird.  Dabei gibt es kein "richtig" oder "falsch"!

Der Hochzeitszug (die Reihenfolge und Zusammenstellung, in der Hochzeitsgäste beim Einziehen in die Kirche) ist eine zeichenhafte Handlung mit tiefer Aussagekraft. Jede Form dieses Einzugs hat seine eigene symbolische Bedeutung.

 Braut und Bräutigam entscheiden, was sie mit dieser bedeutenden Zeichenhandlung aussagen möchten; sie geben den Einzug in die Kirche durch die Art der Gestaltung den Sinn.

Ich stelle Ihnen in den folgenden Abschnitten einige Möglichkeiten vor und erkläre, was man mit der jeweiligen Form des Einzugs (und auch Kirchenauszugs) ausdrückt.

Weiter: So ziehen Braut und Bräutigam zum Altar

 

 

1. Möglichkeit des Hochzeitseinzugs

Das Brautpaar zieht gemeinsam in die Kirche ein.

Kircheneinzug-Brautpaar Das Brautpaar kommt bei dieser Form entweder schon gemeinsam zur Kirche oder es trifft sich am Kircheneingang.

Oftmals wartet der Bräutigam am Kirchenportal auf seine Braut, die von Ihren Angehörigen, vom Brautführer oder Brautjungfern zur Kirche begleitet wird. Hand in Hand (bzw. die Braut eingehakt beim Bräutigam) ziehen sie zum Altar.

 

Die symbolische Aussage des gemeinsamen Einzugs des Brautpaares:

  • "Wir schreiten gemeinsam zum Altar!"

  • "Hand in Hand ist dies der Beginn eines neuen Weges, für den wir nun den Segen erwünschen."

  • "Hier sind wir zu zweit! Schaut auf uns Beide, seht unser Glück!"

  • Wenn die Gäste schon in der Kirche sind: "Erhebt euch für Braut und Bräutigam!" "Aufmerksamkeit und Ehre gebührt dem Brautpaar!"

  • Falls die Gäste noch nicht in der Kirche warten und das Paar mit den Gästen einzieht: "Hier sind wir mit den Menschen, die uns wichtig sind, gemeinsam auf dem Weg zum Altar!"

Folgender Videoclip zeigt den Einzug des Brautpaares bei einer ökumenischen Trauung - direkt im Anschluss singt die Hochzeitsgemeinde das Lied "Wir wollen wagen als Partner und Freunde zu leben" (nach der bekannten Melodie: Lobe den Herren)

Ansehen auf youtube:

Einzug Braut und Bräutigam mit anschließendem Lied

 

 

An welcher Seite des Bräutigams geht die Braut?

Es ist alte Sitte (und Benimmregel noch heute), dass rechts von einem die Person geht, die man beschützt. (Das hatte praktische Gründe, die heute keine Rolle mehr spielen.) Daher ging früher auch die Braut grundsätzlich und immer rechts vom Bräutigam, selbst beim Marsch in die Kirche. Man darf also auch heute noch gern so hineingehen (Brat rechts), überhaupt, wenn man es so vom Alltag gewohnt ist.Braeutigam fuehrt Braut

 

Geht die Braut links oder rechts

Zunehmend setzt es sich aber durch, dass die Braut beim Einzug an der linken Seite des Bräutigams geht und auch links sitzt (zumindest bis zum Trausegen). Beim Auszug müssen dann aber die Seiten wechseln. Auch diese Form der Brautführung hat zeichenhafte Bedeutung (wie fast alles, was man in der Kirche tut). Der Bräutigam sagt damit beim Einzug, "Der Platz an meiner rechten Seite ist frei" und beim Auszug, "Schaut, nun ist dieser Platz ausgefüllt; für diese Frau bin ich da; sie zu beschützen und zu lieben, bestimmt nun meinen Weg (als Paar zu gehen, bestimmt nun unseren Lebensweg)."

Weiter: Vater der Braut führt seine Tochter

 

 

2. Möglichkeit des Brauteinzugs:

Der Brautvater führt die Braut zum Traualtar.

Vater fuehrt BrautZu Beginn des Gottesdienstes, (während die Gäste und der Bräutigam mit den Trauzeugen schon in der Kirche warten) führt der Brautvater die Braut in die Hochzeitskirche.

Die Orgel spielt zum Einzug einen Hochzeitsmarsch oder ein entsprechendes Musikstück. Der Brautvater "überreicht" am Altar seine Tochter dem Bräutigam. Dieser empfängt sie mit einem Kuss auf die Wange.

Dies ist eine alte Tradition. Als symbolische Handlung verdeutlicht sie, was Hochzeit früher bedeutete: Die Braut wird dem Partner anvertraut. Heute sehen wir es eher so, dass beide Partner einander anvertraut werden. Mit diesem neuen Bewusstsein können wir die alte Tradition pflegen.

 

Wie oben schon beschrieben:

Insbesondere protestantische Theologen und Theologinnen wenden gern ein, die Braut würde bei dieser Form des Einzuges wie das Eigentum des Vaters behandelt, das er an den Bräutigam weiter gibt. Doch solche Einwände sind seltsamer, theoretischer Unsinn. Frauen, die diese Form des Einzugs wählen, drücken damit im Gegenteil damit ihre liebevolle Verbundenheit zu ihren Eltern aus.

 

Das kann der Brautvater nach dem Einzug, zur Übergabe der Braut an den Bräutigam sagen

Der Einzug und die Übergabe der Braut an den Bräutigam ist ein symbolische Handlung. Symbolische Handlungen muss man nicht erklären; jeder versteht von selbst und ohne Worte, was damit ausgedrückt wird. Doch man kann mit ein paar Worten diese Zeichenhandlung noch vertiefen. Der Brautvater kann also Brautübergabe ein paar Worte laut aussprechen. Die darf er gern ablesen. Hier sind Beispiele:

Mit all unseren lieben Gedanken und Wünschen sind wir bei euch!

oder

Mit glücklichem Herzen sehen wir, wie Ihr nun gemeinsam weiter durch das Leben geht!

oder

Unsere Tochter ist uns ans Herz gewachsen, gern würden wir sie weiterhin nah bei uns haben. Doch schon in der Bibel steht, dass der Mensch Vater und Mutter verlassen wird, um eine neue Verbindung einzugehen. Also gebe ich sie an Deine Hand, wir vertrauen darauf, dass Du ihr ein liebevoller Partner bist und sie dir eine liebevolle Partnerin.

oder

Wir haben "ja" zu ihr gesagt und immer gerne ihre Hand gehalten, so wie deine Eltern "ja" zu dir sagten. Wir lassen wir sie nun gerne los und sind dankbar dafür, dass ihr euch nun an der Hand nehmt und gemeinsam weitergeht. Heute dürfen wir erleben, wie Ihr zwei zueinander "ja" sagt. Ein größeres Glück kann es auch für Eltern kaum geben.

 

Der Bräutigam nimmt die Braut in Empfang

Gesten und Worte des Bräutigams, wenn er die Braut in Empfang nimmt

Der Brautvater kann bei der Übergabe die Tochter auf die Wange küssen, wie auch der Bräutigam, wenn er sie in Empfang nimmt. Dann nickt er dem Brautvater zu. Sagt der Brautvater einen Übergabespruch, so kann der Bräutigam traditionell antworten:

"Ich weiß" oder einfach: "Gern"

 

Weitere Möglichkeiten

Bräutigam wird von der Mutter geführt

In Amerika ist verbreitet, dass der Brautvater die Braut in die Kirche führt und der Bräutigam von seiner Mutter geführt wird.

 

Freunde begleiten Braut und Bräutigam

Braut sowie Bräutigam werden von ihren Familienangehörigen oder / und Freunden begleitet. Es treffen sich also die Familien bzw. die Freundeskreise. Beim Zusammentreffen und der gegenseitigen "Übergabe" können die Begleiter einige Worte sagen. Sehen Sie dazu die Textvorlagen, die ich oben zu den anderen Formen des Hochzeitseinzugs als Beispiel gegeben habe.

Weiter: Ein anderer Brautführer begleitet Braut

 

 

Dritte Möglichkeit des Brauteinzugs

Eine andere Person als der Brautvater agiert als Brautführer und führt die Braut zum Traualtar

Andere Personen, wie Geschwister oder Freundinnen können die Braut zu Beginn der Hochzeitsmesse hereinführen. Was diese symbolische Handlung ausdrückt, können sie dann auch so in Worte fassen:

Wir haben sie lieb und werden sie weiterhin begleiten. Nun nimmst Du Ihre Hand.

oder

Es gibt kein größeres Glück, als wenn zwei Menschen bedingungslos ja zueinander sagen. Weil wir euch so gern mögen, geben euch gern einander an die Hand. Vergesst nicht, dass ihr Freunde habt, die sich mit euch freuen, die für euch da sind und die immer hinter euch stehen.

 

Kinder führen die Braut herein - oder ein Freund des verstorbenen Brautvaters

Ich habe auch erlebt, dass Kinder der Braut oder des Bräutigams die Braut hineinführen.

Auch der beste Freund des verstorbenen Brautvaters hat diese Rolle schon übernommen und zur Brautübergabe gesprochen:

Unsere Gedanken sind heute auch bei "Susannes" Vater. Er hätte sie so gern zum Altar geführt. Als guter Freund habe ich das übernommen. Doch ich tue es nur in Stellvertretung; ich bin nur seine Hand und träume davon dass er es sieht und mit uns glücklich ist.

Führen Kinder die Braut oder den Bräutigam herein? Dann beachten Sie die Anregung auf die Seite "MITWIRKENDE / Kinder"

Weiter: Die Brautleute gehen sich entgegen

 

 

Vierte Möglichkeit des Einzugs in die Hochzeitskirche

Braut und Bräutigam gehen sich entgegen.

Diese Möglichkeit des "Kircheneinzuges" ist neu und wird zunehmend praktiziert. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten:

 

Der Bräutigam geht der Braut vom Altar aus entgegen

Dieser Kircheneinzug verläuft ähnlich wie "Brautvater führt Braut in die Kirche". Doch der Vater (oder ein anderer Brautführer) geleitet die Braut nicht bis zum Altar. Der Bräutigam, der im Altarraum gewartet hat, geht der Braut entgegen, sodass beide sich in der Mitte der Kirche treffen. Hier übernimmt der Bräutigam die Braut vom Brautführer. Braut und Bräutigam schreiten gemeinsam zum Altar.

 

Braut und Bräutigam gehen sich von verschiedenen Seiten entgegen

Dabei wird die Braut nicht geführt. Sie kommt von einer Seite des Kirchenschiffs. Der Bräutigam kommt von der anderen Seite. Beide treffen sich in der Mitte, vor dem Altar, umarmen sich und treten vor den Altar.

Weiter: Alle Gäste ziehen mit dem Paar ein

 

 

Fünfte Möglichkeit des Hochzeitseinzugs

Alle Gäste schreiten mit dem Brautpaar in die leere Kirche

Es geht auch so: Die gesamte Hochzeitsgesellschaft trifft sich vor der Kirche. Der Pfarrer / Priester begrüßt dort das Paar und die Gästeschar und geht nun voran in die Hochzeitskirche.

Ich schlage diese Form nicht vor; denn die Hochzeitsgäste verpassen das Erlebnis, die Braut einziehen zu sehen. Das Brautpaar steht schließlich im Mittelpunkt.

Sehen Sie zu dieser Form des Kircheneinzugs ein Video:

Videokamera Alle ziehen gemeinsam ein

Weiter: Doch man darf so einziehen - Vorurteile

 

 

Vorurteile und Streit um den richtigen Kircheneinzug?

Dafür darf man kein Verständnis haben:

Es gibt protestantische Pfarrer und Pfarrerinnen, die darauf Wert legen, dass das Brautpaar gemeinsam in die Kirche einzieht, und untersagen, dass der Brautvater die Braut zum Altar bringt um sie da dem Bräutigam an die Hand zu geben. Diese Geistlichen meinen, die Übergabe durch den Brautvater sei ein Zeichen überholter, patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen.

Immer wieder gibt es Geistliche, die meinen, die Brautübergabe durch den Vater würde ausdrücken: Der Vater betrachtet die Tochter als seinen "Besitz", den man weitergeben kann. Daher kann man Seltsames in Bezug auf den Einzug in die Hochzeitskirche beobachten:

  • Ein Brautpaar berichtet, dass ein evangelischer Pfarrer dazwischensprang, als ein Vater am Altar seine Tochter dem Bräutigam an die Hand geben wollte. Der Pfarrer wehrte den Brautvater ab und übergab selbst die Braut.

  • Noch im Jahre 2010 forderte eine evangelische Pastorin, dass man ein Buch verbrenne, in dem empfohlen wird, dass der Brauvater die Braut in die Kirche führt.

Eine solche engstirnige Einstellung trifft man glücklicherweise nur bei wenigen Theologen und Theologinnen.

 

Gern darf der Brautvater die Braut zum Altar führen - auch in der evangelischen Kirche!

Natürlich ist das Hineinführen der Braut in die Kirche und die "Übergabe" an den Bräutigam kein Zeichen "väterlicher Herrschaft", sondern Ausdruck der liebevollen Verbundenheit zwischen Kindern zu ihren Eltern. Durchweg haben Bräute, die von ihren Vätern in die Hochzeitskirche geleitet werden, ein besonders gutes, offenes Verhältnis zu ihrer Familie, das durch diese Form des Einzugs ausgerückt wird.

Weiter: Hochzeitseinzug bei Prinzen / Prinzessinnen

 

 

Videos mit königlichen Hochzeitseinzügen

Kronprinz Frederik von Dänemark und Mary

Bräutigam und Trauzeugen ziehen vorweg in die Kirche ein. Die Eltern der Braut ziehen ebenfalls schon vorher feierlich mit Musikbegleitung ein. Der Brautvater führt die Braut zum Altar, wo der Bräutigam sie empfängt. Die Braut geht links vom Brautführer und sitzt am Altar links vom Bräutigam. Hier ist das Video auf youtube:

Videokamera Frederik und Mary

 

Prinz Charles und Lady Diana am 29 Juli 1981

Dianas Vater führt sie zum Altar. Sie geht rechts vom Vater. Die Geistlichen gehen in großem Abstand vorweg. Kinder folgen dem Paar. Sehen sie hier das Video dieses königlichen Hochzeitseinzugs:

Videokamera Lady Di und Prinz Charles

 

Prinz William und Catherine Middleton

Langer Einzug: Bräutigam geht mit einem Trauzeugen vorweg. Dann kommt lange nichts.

Dann kommen die Geistlichen, gefolgt von Braut und Brautvater. Kates Vater führt sie zum Altar der Westminster Abbey. Sie geht an seiner rechten Seite. 

Hinter der Braut folgt die Brautjungfer mit Kindern (Blumenkinder).

Am Altar sitzt Kate links von William. Hier ist der Film:

Videokamera William und Kate 1

Videokamera Catherine Middleton und William 2

 

Kronprinzessin Victoria und Olaf Daniel Westling

Der Brautvater führt die Braut. Die Braut geht an seiner rechten Seite. Kinder gehen vorweg. Daniel übernimmt die Braut weit vor den Stufen zum Altar mit einem Kuss auf die Wange. Sie geht und sitzt links vom Bräutigam. Das youtube-video ist nicht mehr verfügbar

 

Mehr Königliche Brauteinzüge

Eine Zusammenstellung von Hochzeitseinzügen bei "königlichen" Trauungen sehen Sie hier:

Videokamera Video Brauteinzüge

 

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